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„Black Out“: Kreisverwaltung probt den Krisenfall

Kreis Minden-Lübbecke, 03.09.2007

 
„Black Out“: Kreisverwaltung probt den Krisenfall

Das Umspannwerk Veltheim nach einem Hubschrauberabsturz zerstört, große Teile des Kreisgebiets ohne Strom, dazu ein schwerer Gefahrgut-Unfall in Lübbecke: Großeinsatz für Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste. Mit diesem Horrorszenario sah sich die Kreisverwaltung jetzt konfrontiert. Nachdem der Landrat formell Katastrophenalarm ausgelöst hatte, nahm der Krisenstab im Kreishaus seine Arbeit auf. Zum Glück war der Großeinsatz nur eine Übung, doch „Black Out“ hatte einen ernsten Hintergrund. Die Kreisverwaltung bereitet sich permanent auf mögliche Krisenfälle vor.

Bei einem Unglück wie diesem kommt nicht nur auf Feuerwehr, Polizei und Hilfsdienste, sondern auch auf die Kreisverwaltung eine Vielzahl von Aufgaben zu“, erklärt Dezernent Hans-Joerg Deichholz. Darum hat der Kreis Minden-Lübbecke Notfallpläne entwickelt und Vorbereitungen getroffen, um im Unglücksfall schnell und wirksam helfen zu können. Herzstücke des Hilfssystems sind die Kreis-Einsatzleitung und der Krisenstab, die im Notfall beide rund um die Uhr im Einsatz sind.

In der Nacht nach dem Unfall laufen die ersten Hilfsmaßnamen an, zuerst nur auf örtlicher Ebene. Die Feuerwehr löscht den Brand, die Opfer des Hubschrauber-Absturzes werden geborgen. Allmählich ereiche immer mehr Anrufe die Leitstellen von Polizei und Feuerwehr: In Petershagen, Porta Westfalica, Bad Oeynhausen, Minden und Hille ist der Strom ausgefallen. Alarmierende Nachrichten kommen aus Veltheim: Das schwer beschädigte Umspannwerk kann frühestens in zwei Tagen so weit repariert werden, dass die Lichter in einigen der fünf Kommunen wieder brennen.

„In so einem Fall müssen die Notmaßnahmen kreisweit gesteuert werden“, erklärt Norbert Werger, beim Kreis für Katastrophenschutz und Rettungsdienst zuständig. Schnell wird klar: Eine gemeinsame Einsatzleitung auf Kreisebene ist notwendig, um Feuerwehren und Hilfsdienste effektiv und ortsübergreifend zu lenken. Und schnelle Hilfe der Behörden ist gefragt: Schließlich läuft ohne Strom vieles nicht mehr. Im Kreishaus tritt der Krisenstab zusammen.

„Black Out“ ist nur eine Simulation, in Wirklichkeit ist kein einziges Einsatzfahrzeug unterwegs. Doch die Mitglieder des Krisenstabs unter Leitung von Hans-Joerg Deichholz kommen bald mächtig ins Schwitzen: Ampelanlagen und Telefonnetz sind ausgefallen, Pumpen in Wasserwerken stehen still, Schulen können keinen Unterricht erteilen, Krankenhäuser bekommen nur noch Notstrom, die Küchen bleiben überall kalt. Die Liste ließe sich noch fortsetzen.

Der Krisenstab wird an vielen Stellen aktiv. Notstromaggregate müssen organisiert und verteilt, die Wasserversorgung gesichert, mögliche Gefahren für die Bevölkerung schon im Voraus erkannt und abgewehrt werden. Polizei, Feuerwehr, Stromversorger und Bundeswehr sitzen mit am Tisch, gemeinsam wird geplant und organisiert, Verstärkungen, Material und Fakten werden beschafft. Nebenbei gilt es, Bürger und Medien zu informieren. So ruft der Kreis auch dazu auf, Trinkwasser zu sparen, die Kinder nicht zur Schule zu schicken und Nachbarn zu helfen, falls es notwendig ist.

„Für uns ist es wichtig, die Arbeitsabläufe einzuüben, mögliche Schwachstellen aufzudecken und die Organisation ständig zu verbessern“, erklärt Dr. Bert Honsel, Leiter des Kreisordnungsamtes. Im Notfall muss schließlich zum Wohl der Bürger alles gut und schnell laufen. Deswegen finden solche Übungen regelmäßig statt und werden die Notfallpläne ständig aktualisiert. Jede Krise kann anders sein, immer neue Horrorszenarien müssen durchdacht werden.

Kein Wunder, dass die Übung noch einen Höhepunkt birgt, nachdem der Krisenstab einen Schichtwechsel geprobt und Kreisdirektorin Cornelia Schöder die Leitung übernommen hat: In Lübbecke ist ein Tanklastzug verunglückt - Explosionsgefahr! Ein Altenheim muss sofort geräumt, ein Wohngebiet evakuiert, zusätzliche Einsatzkräfte von außerhalb angefordert werden. Konzentriert arbeitet der Krisenstab auch diese Probleme ab, wachsam beäugt von vier kritischen Augenpaaren.

Vier Mitarbeiter des Instituts der Feuerwehr NRW in Münster beobachten, analysieren und bewerten die Übung. In der Nachbereitung zeigen sie später auf, was man noch besser machen könnte. Und um genau das herauszufinden, betont Hans-Joerg Deichholz, war „Black Out“ schließlich da.

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